Im falschen Film

NWZ: SABINE ACKERMANN | 03.03.2014

Dacapo Theater begeistert mit turbulenter Komödie


Eine brillante Vorstellung lieferte das dacapo Theater Göppingen im Odeon ab. Zwar waren Barbara und Ralf Rummel "Im falschen Film", die Zuschauer aber nicht. Besser kann man dieses Stück nicht spielen.

"Oh Gott, das ist so wahnsinnig kompliziert zu spielen", rutscht es einer Zuschauerin gleich nach dem Ende des ersten Aktes spontan heraus. Ohne Frage, die Dame bringt es auf den Punkt. Denn auch wenn man noch so aufpasst, wohl dem, der am Ende genau weiß, wer, was, wo, wann, wie, warum John, Laura, Barney, Bee, Alex, Jo und Stephen überhaupt spielen. Und nicht nur das. Petr Zelenkas Komödie "Im falschen Film", in der zwei am existentiellen und persönlichen Limit agierende Schauspieler das rasante Boulevardstück "Chinesen" des britischen Autors Michael Frayn auf dem Abendprogramm haben, polarisiert wie selten ein Premieren-Stück im Odeon. Beurteilen die einen die Handlung hektisch und verworren, verbirgt sich für die anderen dahinter ein Komödienstoff mit Tiefgang.



Dagegen einer Meinung sind die Zuschauer in einer Sache: Barbara und Ralf Rummel spielen sich an diesem Abend die Seele aus dem Leib, gehen über Grenzen und gäbe es für ihre rasante, thematisch dichte, wortgewaltige bisweilen schmerzhafte Bühnenpräsenz Noten - hätte das Ehepaar eine "Eins mit Sternchen" verdient.

Muss man eigentlich immer alles genau verstehen und analysieren? Vielmehr sollten die Zuschauer das durchaus humorvolle Stück entspannt genießen und sich bei dieser ausgewogenen, multiperspektivischen Darbietung erst gar nicht mit der Frage aufhalten, wieso und weshalb etwas auf, vor und hinter der Bühne geschieht. Jo und Stephen laden ein befreundetes Paar und die "alte" Freundin Bee samt ihrem neuen Lover Alex zum Abendessen ein.

Leider tat dies der zerstreute Gastgeber außerdem mit Barney, dem Ex von Bee. Panisch und kopflos setzten die beiden alles daran, damit sich das einstige Liebespaar auf keinen Fall in der Wohnung trifft, denn dieser Fauxpas würde den Abend garantiert versauen. Temporeich und rekordverdächtig schlüpfen Barbara und Ralf Rummel in sieben Rollen, verkörpern diese bonbonbunten Charaktere mit ungezügelter leidenschaftlicher Spielfreude, ohne Rücksicht auf Verluste. Gemeint ist damit Barney, dessen Frisur noch schlimmer als sein Whiskykonsum war.

Dagegen kann "Frau" alles tragen, sogar einen XXXL-Joint "versteckt" im Rasta-Look. Dankbar sowie "aus einem Guss" greift das Ehepaar Margarete Kienzles Freiraum auf, so rennen, trampeln und stolpern beide bei der Regisseurin im Minutentakt von Tür zu Tür. Dabei schreien und flüstern sie, verstecken sich dahinter, kämpfen, verzweifeln oder improvisieren mit ausladender Mimik, wild-gestikulierende Körpersprache und das sogar in der Unterbüx.

Was alles schiefgegangen ist, erfährt der Zuschauer im zweiten Akt. Die Perspektive wird "hinter der Bühne" gewechselt und die "Chinesen" werden endgültig zum "Falschen Film". Zudem besteht zwischen den Schauspielern mehr als eine Arbeitsbeziehung, schließlich waren sie doch auch einmal ein Ehepaar. Insofern konnte man mitfühlen, was die beiden privat umtreibt - und genau dann kommt sogar etwas Traurigkeit und Melancholie ins Spiel. Doch am meisten glänzt das aberwitzige "Spiel im Spiel" mit reichlich grotesker Situationskomik, die bisweilen an Slapstick erinnert.

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